Können solche Augen lügen?






Schnell rein, schnell raus. Von wegen: Das "Rotodyn".

Was da ganz ganz langsam zusammenkam, war dafür umso schneller wieder weg.




Jahresende, ein bißchen Luft im Reparaturbetrieb und da ist mal wieder dieses: "Weißte Chef, ich kann gerade einfach keine Kindersitze mehr sehen. Könnten wir jetzt mal was Schlimmes erfinden, bitte?"

Rebellion der Droogs.

"Okay... wie hätten die Herren es denn gern?"

Die Jungs waren sich gespenstisch schnell einig: "57er Herrenrahmen, mattschwarz mit rotem Dekor!"

"Zuviel Marvel Comics?"

"Ach was, waat ab!"

"Ihr wisst aber, daß da dieser schräge Laufradsatz rein soll?"

"Klaro, das sieht super aus, da mach Dir ma keinen Kopp!"

Na dann.






Alles, was dann kam, sah wirklich vollkommen bescheiden aus. Ein hübscher Frankensteindesignrahmen, jaja, und auch diese neun Strupsel à vier Speichen sind ja recht originell - aber der Krempel wollte ums Verrecken nicht zusammen.

Plan A: Einen Flitzer bauen. Schmale Rennreifen. Profillos. "Kojak" heißen die. "Vergiss es!!".

Plan B: Dann halt was anderes bauen. Braune Reifen? Grüne? "Voll der Weicheichopper, bloß runter damit!".

Plan C: Lieber doch business as usual? Cremefarbene 50er? "Passen nicht durch die Gabel".

Super. Neunundneunzig weitere, ungerichtete Tests, ein Resultat: "Nöö..."

Damit waren jetzt erstmal sämtliche Gestaltungsträume geplatzt.

So machten wir es also so wie meist: Langweilig und altbacken. Volksformat 47-622, schwarz - aber ohne weißen Streifen, und Schluß mit Spocht oder irgendwelchem Batmanzeug. Plötzlich jedenfalls hatte das Format und Proportion.

Lichtblick.




Von da an ging es erstmal deutlich flüssiger. Der Eine fand diesen Hauch von kleinen, seidenmattschwarzen Alublechen, die etwas weniger wiegen als eine ihrer Streben, der Andere hökerte den Tommies ein Prachtstück von 42-Zähne-Kurbel ab, und "Brave" hatte schöne Pedale für uns, fast wie die alten Liotard, die man heute nirgends mehr kriegt.

Aber dann: "Jungs, ihr wisst, daß da ein Nabendynamo drinhängt? Das wird ein Fahrrad mit Licht."

"Äh ja... ich hab schonmal geguckt, aber ich hab noch nix gefunden."

Billiglampe. Nobellampe. Rund. Eckig. Chrom. Schwarz. Große Lampe, kleine Lampe, keine Lampe. Die Mottenkiste mit dem Uraltkrempel aus dem Keller geholt. Alles Essig. Wie mit den Reifen.

 

 




Und plötzlich, wir stehen hinten in der Werkstatt, unser schwarzes Dingsbums am Haken, da ist plötzlich alles wie im Märchen:

"Immer wennde denkst et jeht nimehr kommt von irjendwo en Lichtlein her"

Es raschelt höflich von der Theke her, ein Mensch steht dort, ich gehe nach vorn und auf die Frage, was ich für ihn tun könne, sagt er zu mir: "Ich war vor längerem mal hier und Sie hatten da ein ganz wunderbares neues Fahrrad um ein altes Rücklicht herum gebaut." "Ja" sage ich: "Es steht hinter Ihnen." Er sieht sich um, lacht und hält mir seine Rascheltüte hin.

"Mir sind so ein paar alte Sachen zugekommen, ich dachte, Sie könnten die vielleicht gebrauchen"

Drin ein Schatz von einer alten Boschlampe in einem ganz guten Zustand und ein Strebenrücklicht, zu alt, um Katzenaugen zu haben, ebenfalls fein erhalten.

Was hab ich mich gefreut! Noch ein bißchen gehökert und die Sache war perfekt.







Großes Kino: Die Lampe hat ein seltsames, lange aus der Mode gekommenes Lampenglas mit seitlichen Ohren, ein schier unzerstörbares Gehäuse und stellte sich als innerlich neuwertig heraus. Sie ist außerdem eine der hellsten Fahrradlampen, die ich aus der Zeit 1930 - 1950 kenne. Eine Rotodyn "3", sagt einer. Und weil der Gesetzgeber einen breiten Querreflektor am Heck vorschreibt, gibt es den fein an einem Chromstück unterm Sattel, und außerdem als Batterierücklicht, als kleine Reserve für alle Fälle.






Ein, zwei Tage vor Weihnachten ist das gute Stück fertiggeworden. Der Effekt ist fein: Der gesamte Arbeitsplatz, die Ausstattung,  die Oberkörperhaltung und die Fahrerperspektive geben einem das Gefühl, auf einem Vorkriegsrad zu hocken, aber unterm Hintern hat man ein spritziges, taufrisches Düsselrad mit acht Gängen und einem Nabendynamo.

Zwei Stunden nach Ladenöffnung nach der Winterpause war es verkauft an einen Herrn mit leuchtenden Augen, der sich eigentlich was anderes vorgenommen hatte. Ich kenne diesen Blick. Ich bin manchmal auch gaskrank. Ein schöner Jahresauftakt. Der schönste eigentlich. Gut, daß wir manchmal keine Kindersitze mehr sehen können.




Düsselrad, Inh. F.-J. Maes Konkordiastraße 61 im Hof 40219 Düsseldorf Tel.: 0211 / 917 99 84 Mail: office@duesselrad.de  Anfahrtskizze




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